Geht aus – LaSalle im Schiffbau

Es soll klimpern, klappern und klirren. Man soll lachen und geniessen. Gastgeber Stefan Iseli und Küchenchef Andreas Medewitz fegen mit frischem Wind durch die ehrwürdige ehemalige Werft am Schiffbauplatz ZH West.

Im legendären Schiffbau Zürich West entstanden, wie der Name schon vermuten lässt, einst Schiffe – heute gehört er zum Schauspielhaus Zürich und beherbergt das über die Kantonsgrenzen hinaus bekannte Restaurant LaSalle.

Sage und schreibe 24 Jahre gibt es das elegant-zeitlose Restaurant am Schiffbauplatz schon. Stets zuverlässig von Claudine Brunner und Walter Schmid durch alle Gezeiten geführt. Im Jahr 2022 entschied sich das Duo, ein wenig kürzer zu treten und der nächsten Generation das Steuerrad zu übergeben. Selbstverständlich nicht, ohne im Hintergrund weiterhin mitzuwirken. Mit Philipp Brunner und Stefan Iseli wurden zwei neue Gesichter an Bord geholt: Philipp Brunner als Partner und Mitinhaber und Stefan Iseli als charismatischer und stadtbekannter Gastgeber.

Step by step wurde das Gastronomiekonzept den heutigen Anforderungen angepasst, ohne die Traditionen über Bord zu werfen. So wurde nach einem zweijährigen Gastspiel von Inbar Zuckerberg vor zwei Monaten mit Andreas Medewitz ein neuer Küchenchef eingestellt. Dieser hat seine Sporen unter anderem bei Gastro-Grössen wie Antonio Colaianni, David Salvany und Christian Geisler verdient. Seine kulinarische Handschrift? Mitteleuropäisch – modern – lässig! Super, dann freue ich mich jetzt schon auf den bevorstehenden Lunch!

Zum Start gönne ich mir ein Glas Wein. Eine Karte brauche ich nicht, ich frage Stefan nach seinem Weintipp. Ein Sauvignon Blanc von Jean Pierre Pellegrin, angebaut am Genfersee – für mich einer der besten Sauvignon Blancs der Schweiz, so Stefans Kommentar. Super, wenn der Rock’n’Roll-Sommelier der Zürcher Weinszene das sagt, dann wird das wohl hinkommen! Und in der Tat, der süffige, auf der Hefe ausgebaute Sauvignon, Jahrgang 2022, mundet!

Der erste Gang wird serviert. “Unser Sommersalat, die Gäste lieben ihn.” Na toll, denke ich. Salat! Meine manifestierte Meinung von den meisten Salaten, die in Restaurants serviert werden, lasse ich hier aussen vor.

Umso positiver bin ich überrascht von dem vor mir stehenden Teller. Eine wunderschön angerichtete Komposition aus dreierlei Tomaten – grün, gelb und rot –, kombiniert mit Radieschen, Pfirsich, gepickelten Zwiebeln an einer Estragon-Vinaigrette. Man ist das gut! Das schmeckt so hervorragend, dass ich meine Meinung zu Salaten vielleicht nochmals überdenke, vorausgesetzt, es kommen noch ein paar positive Erlebnisse dazu. Die Kombination von süss und sauer ist ja bei weitem nichts Neues, aber hier wurde sie wirklich glänzend umgesetzt. Auch die Proportionen des Gerichts stimmen. So kann man Salat machen!

Weiter geht es mit dem Zwischengang. Hausgemachte Ravioli mit Ziegenfrischkäse, Auberginen und Ricotta. Ein sehr stimmiger Zwischengang. Und einmal mehr: Hausgemachte Ravioli, wenn richtig gemacht, sind einfach zeitlos! Und diese hier sind wirklich gut. Zugegeben, Ziegenkäse mundet nicht jedem, diese Variante hier wurde aber mit dem Ricotta und der Auberginencreme so abgefedert, dass die Füllung nicht zu rezent und bissig rüberkommt, sondern einfach nur sehr gut schmeckt. Chapeau! Dazu der Sauvignon Blanc vom Genfersee – Dream Team!

Als Hauptgang schickt Andreas eine “Pouletroulade mit Speck” ins Rennen. Mutig, denke ich, und erinnere mich mit unguten Gefühlen an meine letzte Begegnung mit einem Geflügel-Involtini: verkocht, durchgerockt und trocken wie eine Schuhsohle. Freilich, andere Zeit an einem anderen Ort… Dennoch manifestiert. Mal wieder.

Aber siehe da, es geht auch anders. Die Roulade wurde gefüllt mit einer Farce, hergestellt aus dem Schenkelfleisch desselben Tiers. Das Ganze wurde so vorsichtig geschmort, dass sie saftig und sehr geschmackvoll daherkommt. Dazu wilder Brokkoli, knackig gegart, eine herzhafte Thymian-Jus und eine Polentaschnitte dekoriert mit Kerbel und Zitronen-Mayonnaise. Einfach lecker!

Das Dessert lasse ich aus Platzgründen aus und bestelle mir einen Café. Hier gilt dasselbe wie bei der Qualität der Pasta: Guter Café aus einer guten Maschine ist halt einfach ein Statement!

Zum Kaffee gesellt sich nun der Gastgeber zu mir und wir kommen ein wenig ins Plaudern. Und eines fällt sofort auf: diese unbändige Begeisterung von Stefan, wenn er über seine Arbeit, die Passion, das Team im La Salle spricht. Man spürt die Begeisterung, den Willen, das Restaurant weiterzuentwickeln. Eines seiner Ziele? Das Restaurant in der Restaurantszene auch für ungezwungene Get-togethers bei Wein und Snacks bekannter zu machen.

“Wir wollen, dass es hier klirrt und klimpert, die Gäste sollen laut lachen, sich wohlfühlen, philosophieren und einfach eine tolle Zeit haben.

In unserer Bar werden wir ab dem Herbst eine Barkarte mit lauter einfachen, aber hochwertigen Bites anbieten. Was gibt es Besseres als einen geilen Hot Dog dazu, ein, zwei Gläser Wein aus unserem gut bestückten Weinkeller?”

Nicht viel, stimme ich Stefan zu und freue mich jetzt schon, den besagten Hot Dog zu probieren!

Also, liebe Leser und Weinfreunde! Vielleicht sieht man sich ja mal auf einen Hot Dog, ein Glas Wein oder einen Cocktail in der besagten Bar. Wir können das La Salle nur empfehlen. Vor allem den Salat! Und weil der uns besonders überrascht hat, gibt es ihn unter der Rubrik “Weinwerft Kocht” auch als Rezept des Monats!

Ich bedanke mich fürs Lesen und verabschiede mich. Bis zum nächsten Artikel.

Salud.

Euer Peter

Restaurant LaSalle
Schiffbaustrasse 4
8005 Zürich
Tel. +41 (0) 44 258 70 71

www.lasalle-restaurant.ch