Weinwerft`s Weinwelt – DO Bierzo. Das Lied von Godello und Mencía

In unserem Monats-Blog schreiben und informieren wir Euch über spannende, amüsante und interessante Themen aus unserer Weinwerft-Weinwelt.

El Bierzo hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Verwandlung und Modernisierung erlebt. Junge Weingüter mit hohen Ansprüchen und einem neuen Weinstil haben einen Wandel eingeleitet, der in den kommenden Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. König und Königin der Trauben sind Mencía und Godello.

Die Denominación de Origen (D.O.) Bierzo liegt in einer Bergregion im Nordwesten der Provinz León und erstreckt sich über eine Fläche von 3.000 km². Der Name stammt von der römischen Siedlung Bergidum Flavium. El Bierzo ist in zwei Unterzonen unterteilt: El Bierzo Alto mit der Stadt Ponferrada als Zentrum des Bergbaus und El Bierzo Bajo, das von Landwirtschaft geprägt ist, mit Villafranca del Bierzo als administrativen Mittelpunkt.

Geografisch ist El Bierzo ein abgegrenztes Gebiet, umgeben von verschiedenen Bergketten mit Gipfeln von über 2.000 Metern Höhe. Das hügelige Tal bietet ein Mikroklima, das ideale Bedingungen für den Wein- und Obstanbau schafft. Neben Äpfeln, Kirschen, Birnen und Melonen werden auch Tabak und Gemüse angebaut. Die scharfen Paprikaschoten, als “pimientos del patrón” bekannt, sind eine Spezialität der Region.

Die Geschichte von El Bierzo reicht bis in die Zeit der Kelten zurück, die die Region besiedelten. Die Römer eroberten später den Nordwesten Spaniens und gründeten Bergidum Flavium in der Nähe von Cacabelos. Reste ihrer Anwesenheit, wie die römischen Goldminen in “Las Médulas” bei Astorga, sind heute touristische Attraktionen.

Die arabischen Truppen stießen zwar bis in das Gebiet vor, hielten sich aber nicht lange. Mehrere Faktoren zwangen die Krieger des Halbmondes, sich bald wieder weiter nach Südosten zurückzuziehen: das Klima, der ständige Widerstand der christlichen Verbände, die in den Bergen schwer zu stellen waren, sowie das Fehlen ausreichender Soldaten und Zivilbevölkerung, um das Gebiet auf Dauer zu sichern und zu besiedeln. Seit wann genau Reben im Bierzo geplanzt werden, ist unbekannt, doch liegt es nahe, daß die Römer die ersten Versuche unternommen haben könnten. Erst mit dem Jakobsweg entstanden auf größeren Flächen Weinberge, die auf Initiative der Mönche angelegt wurden. Das Städtchen Villafranca erhielt seinen Namen durch eine Gemeinschaft französischer Wallfahrer, Vicus Francorum. 1070 gründeten hier Mönche aus Cluny ein Kloster.

Nachdem das Gebiet über lange Zeit Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Adel und Krone war, erlebte es im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert schließlich eine kulturelle Blüte. 1822 wurde el Bierzo sogar für ein Jahr eigenständige Provinz.

Klima auch die Witterungsverhältnisse im Weingebiet Bierzo stellen ein Übergangsklima zwischen der überwiegend trockenen Region Kastilien und León mit extremem Kontinentalklima und dem gemssigten, feuchten Galizien dar. Aus dieser besonderen Lage ergeben sich viele interessante Kleinklimata. Die Durchschnittstemperatur liegt bei angenehmen 12,5 Grad. Es fallen im Jahresdurchschnitt 721 mm Regen. Ein Großteil der D.O. Bierzo liegt in einem mit Hügeln durchzogenen großen Tal und profitiert von einem dort herrschenden Mikroklima, das – ein wenig vergleichbar mit Teilen der Rioja – unter sehr gemäßigten atlantischen Einflüssen steht. Die meisten Weinberge konzentrieren sich auf flache Hanglagen und hügeliges Gelände in den Tälern, die kaum über 500 m liegen.

Dies und die schützenden Bergkettendie eine Art natürliches Amphitheater um das Tal herum bilden, sorgen dafür, daß es nur selten Früh- bzw. Spätfröste gibt. Es gibt keine extremen Tag und Nachtunterschiede, was die Temperaturen angeht. 2.100-2.200 Stunden scheint die Sonne im Jahr, und die Temperaturen steigen im Sommer kaum einmal über 30 Grad. Die Feuchtigkeit ist wesentlich höher als in Kastilien, doch niedriger als im benachbarten Galizien. Aufgrund des im Bierzo herrschenden Mikroklimas wird in der Regel schon Mitte bis Ende September mit der Ernte begonnen, d.h. einige Wochen früher als auf der kastilischen Hochebene. Die Erntemengen sind sehr homogen.

Die D.O. Bierzo verfügt zweifellos über das europäischste und damit ausgeglichenste Klima aller D.O. Gebiete Kastiliens und Leóns. Der galizische Regen und die Sonne Kastiliens machen die Täler des Bierzo zu einer der fruchtbarsten Regionen Spaniens. Die Bodenverhältnisse Zweifellos ist das interessante Terroir eine der ganz großen Stärken des Bierzo, denn von Kalk bis Schiefer sind eine Reihe wertvoller Böden verhanden, die zusammen mit dem ausgewogenen Klima das große Potenzial dieser Weinbauregion begründen. 

Die Reben um Cacabelos, Villafranca und Ponferrada stehen auf lehm- und eisenhaltigen Böden, mit rötlich-brauner Farbe. Auf den flachen Hängen der Täler herrschen Schieferböden vor. An den Flußufern finden sich sehr fruchtbare und tiefe Schwemmlandböden mit einer dicken Humusschicht, die mit Granitschutt und Schiefergeröll untermischt sind. Der Kalkgehalt dieser leicht sauren Böden ist unterschiedlich. Diese Lagen sind sehr fruchtbar, was manche ungewöhnlich hohen Erträge erklärt. Es gibt jedoch terrassierte Weinberge und Steillagen mit sehr armen Böden, die eine sehr dünne Erdschicht tragen. Hier mischt sich schieferhaltiger Grund mit kalkhaltigem, groben Geröll.

Die wichtigste Rebsorte, die im Gebiet heimisch ist, ist zweifellos die Mencía. Sie bringt fruchtige und feinnervige Rotweine mit einer kräftigen Säure hervor und stellt einen eigenständigen Weintyp dar. Alle Rotweine der D.O. Bierzo müssen zu mindestens 75% aus dieser Traube gekeltert werden.

Normalerweise eignen sich die Mencía-Weine nicht für einen sehr langen Fassausbau, doch das Alter der Reben spielt dabei eine wichtige Rolle. Etwa 65% der Gesamtrebfläche ist mit der Mencía bestockt. Dies bedeutet, daß der weitaus größte Teil der Pflanzungen dieser roten Traube auf die D.O. Bierzo entfällt.

Der dunkelfarbigen Mencía wird enge Verwandtschaft zur französischen Cabernet Franc nachgesagt. Sie wird auch teilweise Cabernet oder Medoc genannt. Allerdings berichten alte Kellermeister von einer “ursprünglichen” Mencía, die erst nach der Reblauskatastrophe durch die “neue Mencía”, einer Cabernet Franc-Variante, ersetzt worden sei.

Mencía bringt auf den fruchtbaren Böden des Gebietes gute Erträge und eignet sich am besten für den Anbau in gemäßigten Klimazonen. Sie hat das würzige Aroma von roten Früchten. Wenn sie von alten Rebstöcken stammt, dominieren Noten von dunklen Beeren. Im Bierzo weisen die Weine der Mencía einen typischen mineralischen Charakter auf. Sie eignen sich gut zur Flaschenreifung.

Die Godello ist im Bierzo und in der angrenzenden galizischen D.O. Valdeorras heimisch und gilt als Königin der Trauben. Sie reift früh und gedeiht am besten in Hanglagen. Die Weine sind strohgelb, mit eleganten Apfelund Limonenaromen. Sie weisen eine kräftige Säure auf, neigen zu geringer Oxidation und werden im Bierzo als Coupage mit anderen Sorten verwandt. Die Traube besitzt Struktur und Charakter und wird vermehrt für den Ausbau im Barrique verwendet, wo es bereits einige beachtliche Beispiele gibt, die einen eigenständigen Weg dieser Sorte weisen. 

Waren die Weine in den 80er Jahren noch eher von einfacher Qualität, so steigert sich diese seit Anfang der 90er Jahre merklich. An ausgewählten Steillagen keltern Winzer Top-Crus, welche Kraft und Finesse perfekt in sich vereinen. Zu diesen Winzern gehört auch Fermín Rodríguez Uría, welcher an den Einzellagen nahe Valdepaxariñas und Arganza zwei fantastische Weine keltert. Wir freuen uns, die Bodegas Firmo neu in unserem Portfolio und exklusiv in der Schweiz vertreten zu dürfen.

In diesem Sinne bedanken wir uns herzlich bei Fermin für seine tollen Weine und bei euch für das Vertrauen und fürs Lesen!

Euer Peter