Weinwerft`s Weinwelt – Tres Piedras: Die Retter der alten Weinberge im Ribera del Duero

In unserem Monats-Blog schreiben und informieren wir Euch über spannende, amüsante und interessante Themen aus unserer Weinwerft-Weinwelt.

Mit weniger als zehn Bodegas wurde im Jahr 1982 die DO Ribera del Duero gegründet. Heute sind es mehr als 270. Doch wieviel Tradition, Authentizität und Terroir-Gedanken sind bei diesem internationalen Bestseller überhaupt noch geblieben? 

Heutzutage ist Ribera del Duero jedem Wein-Fan bekannt. In den 70er Jahren sah das allerdings noch ganz anders aus. Die einzige bekannte Bodega war die heutige Ikone Vega Sicilia. Neben Vega Sicilia gab es nur eine Kooperative, die damals ihre Weine exportierte.

Wirklich Aufsehen gab es erst in den 90ern als Alejandro Fernández mit seinem Pesquera, einem reinsortigen Tempranillo, internationalen Erfolg feierte und so neue Investoren in die Gegend zog. Verlassene Weinberge wurden neu bepflanzt und moderne Bodegas erbaut.

Zisterzienser und Benediktiner Mönche aus Frankreich betrieben bereits im 12. Jahrhundert Weinbau in Ribera del Duero. Sie erbauten nicht nur Klöster, sondern auch ein Netz aus Kellern mit bis zu 12m Tiefe, welche teils heute noch in Gebrauch sind.

Das Weinbaugebiet erstreckt sich über 115 km entlang des Duero-Ufers. Es herrscht ein kontinentales Klima, Fröste im Frühling und Herbst sind eine regelmässige Gefahr. Das Gebiet befindet sich auf einem Plateau von 760-945m Höhe. Ribera del Duero hat damit die durchschnittlich höchsten Weinberge einer europäischen Weinregion. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind extrem. Mit 460mm im Jahr fällt wenig Regen, weshalb viele der Reben “En baso” gepflanzt wurde, um besseren Schutz vor der Sonne zu haben.

Tempranillo bzw. Tinto Fino/ Tinto del País wie sie hier genannt wird, ist die wichtigste Rebsorte. Ebenfalls zugelassen in der DO sind Cabernet Sauvignon, Garnacha, Malbec und Merlot. Weissweine dürfen nicht mit dem DO Status deklariert werden.

Auch Ribera del Duero konnte dem Schicksal der Reblaus nicht entfliehen und so zerstörte das kleine Biest 1904 einen sehr grossen Teil der Weinberge.

Ein Teil der Weinberge wurde wieder bepflanzt, doch ein grösserer Teil der Fläche wurde für Getreide genutzt. Wein wurde zum Eigengebrauch und für die Arbeiter, die lange Tage auf den Getreidefeldern verbrachten, angebaut. Doch Ende der 50er waren viele der alten Lagen und Weinberge wieder mit den alten Sorten bepflanzt.

In den 60ern kam der Aufschwung der Kooperativen, was in diesem Fall bedeutete, dass die Produktion von artisanalen Weinen aus Einzellagen oder kleinen Plots noch weiter zurückging. In den Folgejahren bewegte wirtschaftliche Instabilität viele Menschen in die grossen Städte, wie Madrid und Barcelona, abzuwandern.

Städte wie Fuentecén, die vom Weinbauanteil im Ribera eine wichtige Position hatten, spürten die Abwanderung stark. Viele der alten Weinberge wurden nicht mehr bearbeitet und verlassen. Die alten Rebstöcke mit sehr niedrigem Ertrag waren für viele nicht lukrativ genug. Im Laufe von 60 Jahren verringerte sich die Einwohnerzahl von Fuentecén von 1300 auf weniger als 100.

Die internationale Aufmerksamkeit der 90er brachte neue Investitionen und neue moderne Bodegas in die Gegend, was natürlich wiederum auch neue Arbeitsplätze schaffte, den Tourismus ankurbelte und damit die lokale Wirtschaft unterstützte.

Doch die geringen Erträge von alten, knorrigen Rebstöcken konnten die internationale Nachfrage nicht decken. Neue ertragreiche Reben mussten gepflanzt und kleine Plots zu grossen Weinbergen zusammengelegt werden, um sie maschinell bewirtschaften zu können.

Doch zum Glück gab und gibt es auch noch diejenigen, die mit Stolz aus genau diesen alten, knorrigen Reben von kleinsten Lagen sensationelle Terroir-Weine erzeugen. Menschen wie Jorge Arandilla von Bodegas Tres Piedras, der bereits in vierter Generation Weinbau im Ribera del Duero in Fuentecén betreibt.  Sein Ziel ist es, historische Weinberge zu bewahren, wie seine Familie es bereits vor ihm tat, um einzigartige, authentische Terroir-Weine zu erzeugen.  

So konnte Jorge im Laufe der Jahre zusätzliche Weinberge übernehmen von Familien, die sie selbst nicht mehr bewirtschaften konnten oder wollten. Zum Beispiel einen kleinen Plot mit über 70 jährigen Tinto Fino (Tempranillo) und Garnacha Reben. Sein ganzer Stolz allerdings ist der “Finca La Tejera”- Weinberg. Die dortigen Reben wurden im späten 18 hundert gepflanzt, 1922 von seinem Ur-Grossvater Norberto übernommen und sind seitdem in Familienbesitz. Aus dieser 0.65ha kleinen Einzellage entsteht ein unglaublich spannender Wein mit so viel Charakter.

Cabernet Sauvignon, Merlot oder Malbec gibt es bei Tres Piedras nicht. Dafür neben Tempranillo und Garnacha, auch Bobal (Valenciana Tinta), Malvasia und Albillo Mayor. Letztere eine weisse Rebsorte, die auch nur sehr knapp vor dem kompletten Verschwinden gerettet wurde. Bei Jorge gibt es keine eigenen Albillo Mayor-Weinberge. So wurde sie damals nicht gepflanzt. Er findet sie hier und da zwischen seinen roten Rebstöcken versteckt, wo sie im “Gemischten Satz” gesetzt wurde. Mit knapp 1000 Flaschen jährlich ist der “Santa Cruz” Albillo Mayor eine absolute Rarität. 

Wie schön es doch ist, dass es nach wie vor Bodegas wie Tres Piedras gibt, die uns mit Weinen bereichern, die in einigen Augen vielleicht nicht ganz “typisch” Ribera del Duero sind oder eben gerade doch. Und wie schön, dass es weiterhin so viele Menschen gibt, die genau das zu schätzen wissen.

In diesem Sinne bedanken wir uns herzlich bei Jorge für seine tollen Weine und bei euch für das Vertrauen und fürs Lesen!

Euer Simon