Weinwerft`s Weinwelt – Wellentänzer

In unserem Monats-Blog schreiben und informieren wir Euch über spannende, amüsante und interessante Themen aus unserer Weinwerft-Weinwelt.

Der Wellentänzer vom Zürichsee

Nach vielen Schuljahren auf einem katholischen Gymnasium ist mir doch vage hängengeblieben, dass es einst einen wunderbaren Menschen gab, der Wasser in Wein verwandelte. Diese Fähigkeiten können wir Robert Irsslinger nicht ganz zuschreiben, er lässt in seinem Fall einfach den Wein zu Wasser.

Als sich Robert Irsslinger mit jungen 25 Jahren zusammen mit seiner Frau Chantal den Traum vom eigenen Weinbetrieb am Zürichsee erfüllte, war so vieles noch unklar.

Robert und Chantal waren (und sind) zielstrebig und ambitioniert, doch die Angst des Scheitern konnten sie dennoch nicht verneinen.

Durch gemeinsame Kontakte suchten sie Rat beim legendären österreichischen Winzer Hans Schwarz, der nicht nur für seine Weine, sondern ebenfalls für seine selbstdarstellerischen Fähigkeiten bekannt ist.  Hans Schwarz zögerte nicht und stellte ihnen den Menschen vor, der auch ihm über die Jahre geholfen hatte, seine hervorragenden Weine bekannter zu machen. Und so trafen sie den Künstler und Grafiker Nikolaus Eberstaller.

Gemeinsam besuchten sie mehrfach den Winzerkollegen Fabian Sloboda vom Weingut Sloboda am österreichischen Neusiedler See. Dieser hatte sich die Frage gestellt, wie sich ein Wein entwickelt, wenn er im schaukelnden Wasser reift. Und so initiierten Sloboda und Eberstaller das Projekt Wellentänzer auf dem Neusiedler See.

Robert und Fabian freundeten sich auf Anhieb an. Man munkelt, dass das ein oder andere Glas Wein eventuell den Prozess beschleunigt hat…Begeistert vom Wellentänzer-Projekt verfolgte Robert stetig dessen Entwicklung. 2018 schlug Fabian Robert die Wellentänzer-Partnerschaft vor, welche den Grundstein für seinen heutigen Zürichsee Wellentänzer legte.

Louis-Gaspard d`Estournel (*1753; †1844) war damals der Erste, der verstand, dass sich Wein positiv entwickelt, wenn er während der Reife auf den Hefen in Bewegung bleibt. Seine Erkenntnis war eher dem Zufall geschuldet, dennoch blieb das Ergebnis. Seine Weine, die er in Fässer per Segelschiff über den weindurstigen Globus verteilte, erhielten unvermeidlich eben genau diese Schaukeleinheiten.

Im November 2019 wurde im Hafen von Rapperswil-Jona der erste Schweizer Wellentänzer eingewässert. Von da an wechselt der Standort jährlich zwischen Rapperswil, Zürich und Lachen. Schaukeln darf der Wein jeweils 70 Tage in der 1000 Liter fassenden Boje. Die eigens konstruierte Boje wurde mit zwei Kammern versehen. Sie muss schwimmen, um eventuelle Titanic-Momente zu verhindern und um den Wein vor direkter Sonne und starker Temperaturschwankung zu schützen. 

Als Rebsorte verwendet Robert seinen Johanniter. Jeweils zu gleichen Teilen wird der Wein zum Wellentänzer und in regulärer Weise im Weingut gereift. So lässt sich die Entwicklung jedes Jahr genauest vergleichen. Und die Unterschiede sind bemerkenswert.

Doch was genau macht den Unterschied? Es ist die konstante und sehr schonende “Bâtonnage”. So nennt sich das manuelle Aufrühren des Hefesatzes bei der Weinbereitung. Bei der klassischen Weinbereitung findet dieser Vorgang in regelmässigen Abständen händisch statt. Dies führt dazu, dass der Wein mehr Fülle, Körper und Geschmeidigkeit erhält. Durch das Schaukeln der Boje auf dem Wasser befindet sich der Wein sozusagen in einer sanften Bâtonnage-Dauerschleife, welche so von Hand nicht möglich wäre. Die Erfahrung hat Robert gezeigt, dass der Wellentänzer nach 70 Tagen sein Optimum erreicht hat und im perfekten Einklang von Frucht, Fülle und Cremigkeit ist.

Die Quantitäten sind gering und über 50% der Flaschen sind jedes Jahr bereits im Vorverkauf weg. Wir haben das Glück noch einige wenige Flaschen bei uns an Lager zu haben.

Für alle, die Lust haben, live dabei zu sein, wird dieses Jahr am Donnerstag, 2. November am Bürkliplatz in Zürich eingewässert.

Robert Irsslinger erzeugt neben dem Wellentänzer selbstverständlich noch weitere hervorragende Weine, die sich zu entdecken lohnen.

Ich hoffe euch Neugierig gemacht zu haben und wünsche viel Freude beim Wellentanzen.

Euer Simon